Donnerstag, 18. August 2011

Die Hamburger Innenbehörde als Seelsorger

pinneberger-tageblatt.de 17.08.2011

HAMBURG. Die Hamburger Innenbehörde ist für wirklich harte Themen zuständig: Polizei, Feuerwehr, Ausländerbehörde, Verfassungsschutz, inzwischen sogar für den Sport in der Stadt. Allerdings hält sich die Fachbehörde seit etlichen Jahren eine Art seelsorgerische Einrichtung, die den Eindruck erwecken könnte, dass die Ordnungshüter auch für Außerirdisches, für das seelische Wohlbefinden der Bevölkerung verantwortlich seien. Dafür sorgt eine Mitarbeiterin, die offiziell Verwaltungsangestellte ist, sich aber immer wieder zum Thema Scientology meldet. Ursula Caberta hat zwar einen exotischen Namen, aber ihr Deutsch ist eher in dem Milieu angesiedelt, das vielen Fernsehzuschauern aus Ohnsorg-Theater-Übertragungen vertraut sein dürfte.

Seit Jahren mäandert die langjährige Sozialdemokratin, zwischendurch auch mal Linke, Ursula Caberta mit massiven Mahnungen und Drohungen durch Medien und Öffentlichkeit, um ihre Mitmenschen vor den von ihr persönlich seit Jahren immer wieder diagnostizierten Gefahren des Lebens zu warnen. War es bis jetzt vor allem die in den USA als Kirche arbeitende Scientology-Organisation, haben sich nunmehr die Sängerin Nena und "Fernsehpfarrer" Jürgen Fliege als bedrohlich hinzu gesellt. Wo immer Ursula Caberta Mysteriöses wittert, um Menschen nach Meinung der Teufelsaustreiberin ins Unglück zu stürzen, steht sie bereit, um aufzuklären, zu warnen und tapfer die Rote Karte zu zeigen.

Nun hat sie mal wieder ein Buch geschrieben, mit dem sie erneut massiv vor den von den meisten nicht einmal am Rande wahrgenommenen esoterischen Gefahren warnt. Überraschend nimmt Innensenator Neumann, bisher eher als nüchterner Hardliner bekannt, die bizarre Gelegenheit wahr, dafür eine offizielle Pressekonferenz anzusetzen, was Fragen aufwirft, wenn auch weniger esoterische.

Solange es die Menschheit gibt, sucht sie nach Außer- und Überirdischem, nach Trost und Hoffnungsspendern in einem Leben, das manchen ängstigt, anderen unerträglich erscheinen will. Menschen sind unterschiedlich ausgerüstet, mehr oder weniger urteils- und widerstandsfähig, vor allem intellektuell nicht gleich ausgestattet. Dass aber ausgerechnet die Innenbehörde und ihre ebenso umstrittene wie lautstarke Mitarbeiterin derart ewige Menschheitsfragen durch die Veröffentlichung sehr strittiger Ansichten lösen könnte, ist eine Idee in unübersehbarer Nähe zur Lächerlichkeit. Zudem provoziert die öffentliche Mitwirkung des Senators den Hinweis, sich besser seinen verfassungsgemäßen Aufgaben zu widmen. Die sind erkennbar nicht weniger mühsam, allerdings auf keinen Fall esoterisch. Ernsthafter: Hat die Innenbehörde wirklich nichts nahe Liegendes zu tun?

Quelle: pinneberger-tageblatt.de

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