Sonntag, 18. April 2010

Kein christlicher Staat

tachles.ch 16.04.2010

interview mit Adrian Loretan

Die Schweiz zankt sich um Minarette und Friedhöfe, Knabenbeschneidung und Ganzkörperkleidung. Zeit, das Verhältnis zwischen Staat, Religion und Menschenrechten neu zu deuten – mit dem Menschenrechtsexperten und Staatskirchenrechtler Adrian Loretan.

TACHLES: Der UN-Menschenrechtsrat in Genf hat auf Initiative der islamischen Staaten eine Resolution verabschiedet, die die Diffamierung von Religion verurteilt und den islamischen Rechtskodex, die Scharia, unter Menschenrechtsschutz stellt. Das erscheint absurd.

ADRIAN LORETAN: Diese Resolution wird auch von muslimischen Stimmen kritisiert, das sollte man nicht vergessen. Aber Sie haben Recht: Es ist nicht möglich, sich auf die Religionsfreiheit zu berufen, um die Menschenrechte so radikal einzuschränken. . Religionsfreiheit gibt es immer nur im Kontext der Grundrechte, und diese sind die Basis des säkularen Rechtsstaats. Wird diese Basis aufgegeben, sehe ich den Religionsfrieden gefährdet. Diese Institution, der Rechtsstaat, hat Europa nach den Religionskriegen befriedet.

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