Von Miriam Hollstein und Matthias Kamann Welt Online 16.04.2010
Neuer Streit um Entschädigungen für misshandelte Insassen - Augsburger Bischof Mixa nach weiteren Prügelvorwürfen unter Druck
Berlin - Es waren nur 250 Demonstranten, aber ihr Protest stellt ein Prestigeprojekt deutscher Unrechtsbewältigung infrage. Ehemalige Heimkinder zogen am Donnerstag durchs Berliner Regierungsviertel und machten ihrem Unmut über den "Runden Tisch Heimerziehung" Luft, der gestern auf seiner siebten nicht öffentlichen Sitzung die Misshandlungen und die weit verbreitete Entrechtung von Kindern in bundesdeutschen Heimen der 50er- und 60er-Jahre weiter aufarbeiten sollte.
Doch diese Aufarbeitung funktioniert nicht, beklagten die ehemaligen Heimkinder bei ihrer Demonstration. Die Misshandlungen an Zehntausenden von Kindern würden bagatellisiert, und die Moderatorin des Runden Tisches, die frühere Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne), sei für den Posten nicht geeignet. "Frau Vollmer ist als Moderatorin des Tisches nicht neutral, weil sie eine Kirchenfrau ist", sagte Monika Tschapek-Güntner, Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder (VeH), der WELT. Viele jener Heime standen damals in kirchlicher Trägerschaft, weshalb Vollmer, studierte Theologin mit guten Kontakten zur evangelischen Kirche, am Runden Tisch nicht überparteilich agieren könne, zumal bei Entschädigungsforderungen an die Kirchen.
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