Von Jörg Kersten Die Presse.com 09.04.2010
Tausende Buddhas schmücken Chinas Höhlenkathedralen. Die Monumente alter Geschichte waren nach der Kulturevolution jahrzehntelang überflüssig, heute wachen Uniformierte über die Skulpturen.
Der Eingang der Höhle Nummer fünf ist viel zu schlicht, als dass man dort im Dämmerlicht der Grotte einen Schatz vermuten könnte. Natürlich weiß der eine oder andere Besucher, der sich auf die Reise vorbereitet hat, dass die Sandsteinhöhlen nahe der Stadt Datong 1500 Jahre alte Skulpturen bergen. Die Dimension des Buddha Sakyamuni in Höhle Nummer fünf aber ist überwältigend.
Von siebzehn Metern Höhe starrt er auf den Besucher herab. Ich nähere mich ganz leise, will seine Ruhe gar nicht stören – schaut er nun verächtlich böse oder buddhistisch gelassen? Jeder wird wohl seine eigene Interpretation des Blickes finden, das Gefühl von Ehrfurcht und Beklemmung aber beschleicht jeden, der in Höhle Nummer fünf verweilt.
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