Von dradio.de - 14.01.2010
François Guesnet (Hrsg.): "Der Fremde als Nachbar", Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen immer mehr Polen die Integration der Juden in die Eliten der Gesellschaft als Konkurrenz und Bedrohung wahr. Die Beiträge in "Der Fremde als Nachbar" dokumentieren den Blick von polnischen Politikern, Wissenschaftlern und Dichtern zu dieser Zeit.
Der Auslöser könnte banaler kaum sein. Im Jahr 1859 war das Konzert einer jungen Musikvirtuosin christlichen Bekenntnisses in Warschau schlecht besucht. Das erklärte der Musikkritiker einer bedeutenden Warschauer Tageszeitung dem Publikum mit einer jüdischen Verschwörung: Nur weil die Künstlerin Christin sei, habe man das Konzert boykottiert und zwar auf Betreiben "jenes geheimnisvollen Bundes, der sich über ganz Europa und vor allem über uns gelegt hat."
Gegen diese Darstellung protestierten einige Warschauer Juden. In der Reaktion kam es zu einer antisemitischen Kampagne in bis dahin nicht gekannter Schärfe, die als "Jüdischer Krieg" in die Annalen eingegangen ist.
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